Von uns gefördert
„Muslimische Kreative miteinander verbinden“
Muslimischen Stimmen im Westen mehr Sichtbarkeit zu verleihen und neue Perspektiven auf Identität, Zugehörigkeit und Ausdruck zu eröffnen – das ist das Anliegen der jungen Safar Community. Die Gruppe aus Fotograf:innen hat im Dezember 2025 in Duisburg mit Unterstützung des IISW ihre erste Ausstellung eröffnet. Wir waren vor Ort und haben mit Fotograf Eray und den Fotografinnen Zeynep und Tamana gesprochen.



IISW: Zeynep, Tamana und Eray – ihr seid Fotograf:innen der Safar Community. Für Außenstehende scheint ihr plötzlich „da“ zu sein. Seit wann gibt es euch eigentlich und wie hat alles begonnen?
SAFAR: Offiziell gibt es uns seit Juni oder Juli. Kennengelernt haben wir uns allerdings schon etwa zwei Jahre zuvor. Wir haben gemerkt, dass wir dieselben Visionen teilen und dass uns allen etwas fehlt: Es gibt viele kreative Menschen, aber kaum Räume, in denen man wirklich zusammenkommt. Öffentlich sichtbar wurden wir mit dem Flyer und der Ausstellung.
IISW: Was ist eure Motivation hinter dem Projekt? Was ist euer zentrales Anliegen?
SAFAR: Unser Ziel ist es, muslimische Stimmen lauter zu machen und unsere eigenen Räume zurückzuerobern. Viele kreative Muslim:innen kennen das Gefühl, übersehen zu werden oder keinen Platz zu haben, an dem man wirklich dazugehört. Lange wartet man darauf, dass jemand einen Raum schafft – aber das passiert oft nicht. Irgendwann haben wir beschlossen, selbst aktiv zu werden. Wir wollten einen Space von Muslimen für Muslime schaffen, insbesondere für kreative Muslime. Einen Ort, an dem man sich wirklich zuhause fühlt, gehört wird und sich nicht anpassen oder kleiner machen muss. Jede:r soll hier genauso sein dürfen, wie er oder sie ist.
„Wir wollten einen Space von Muslimen
für Muslime schaffen,
insbesondere für kreative Muslime.“


IISW: Aus welchen Ländern stammen die Künstler:innen, die bei euch ausstellen?
SAFAR: Die Künstler:innen kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Wir selbst haben türkische und afghanische Wurzeln. Eingeladen haben wir über persönliche Kontakte und bestehende Netzwerke – auch international. Künstler:innen aus Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland (z. B. Berlin und Frankfurt) waren vertreten. Außerdem gab es Arbeiten von Menschen mit Wurzeln in Bangladesch, Marokko, Pakistan, Somaliland und vielen weiteren Ländern. Uns war wichtig, uns nicht nur auf Deutschland zu beschränken, sondern muslimische Kreative weltweit miteinander zu verbinden.
IISW: Der Name „Safar“ ist sehr präsent. Wie ist er entstanden, und welche Bedeutung hat er für euch?
SAFAR: Der Name war uns sehr wichtig und es gab viele Vorschläge, die wir wieder verworfen haben. Uns war klar, dass das Thema „Reise“ zentral sein sollte. Der Begriff „Reise“ ist unter anderem inspiriert von einem Hadith des Propheten, in dem gesagt wird, dass man in dieser Welt wie ein Reisender oder Fremder sein soll.
Das bedeutet für uns, dass wir ständig auf einer Reise sind – nicht nur physisch, sondern auch innerlich. Eine Reise des Glaubens, der Entwicklung und der Selbstfindung. Die Dunya ist ein Zwischenstopp, aber auch ein Ort voller Schönheit. Diese Schönheit wollten wir mit Fotografie sichtbar machen. Die Ausstellung selbst ist als Reise gedacht – durch verschiedene Länder, Perspektiven und Emotionen.

“Viele kreative Muslim:innen kennen das Gefühl,
übersehen zu werden oder keinen Platz zu haben, an dem man wirklich dazugehört.”
IISW: Ihr hattet im Dezember euer Opening in Duisburg. Wie war das Feedback?
SAFAR: Alhamdulillah – das Feedback war extrem positiv. Natürlich waren wir nervös, aber wir hätten nie gedacht, dass es so viel Resonanz geben würde. Besonders berührt hat uns, dass viele Menschen gesagt haben, sie seien emotional bewegt worden. Es war nicht einfach nur ein Event – die Leute sind mit einem Gefühl nach Hause gegangen, haben reflektiert und etwas für ihre eigene Reise mitgenommen.
Uns wurde an diesem Tag sehr bewusst, wie sehr solche Räume fehlen und wie groß das Bedürfnis nach echter Community ist – jenseits von Social Media.
IISW: Zum Abschluss: Wohin führt eure Reise? Was sind eure Zukunftspläne?
SAFAR: Überallhin. Wir haben gemerkt, dass es diesen Raum überall braucht. Uns haben bereits Menschen aus anderen Städten eingeladen, etwa aus Berlin oder Frankfurt. Wir wollen nicht an einen Ort gebunden sein.
Zukünftig möchten wir auch andere kreative Ausdrucksformen einbeziehen: Film, Kurzfilme, vielleicht sogar kleine Kinoformate. Unser Ziel bleibt, muslimischen kreativen Stimmen eine Plattform zu geben – egal in welcher Kunstform. Es geht nicht darum, „neu“ oder „besser“ zu sein, sondern darum, Menschen zusammenzubringen und Räume zu schaffen.
Mehr Informationen zur SAFAR COMMUNITY findet ihr auf Instagram.